Wer noch nie mit mir in einem Museum war, kann das jetzt natürlich nicht wissen. Ich finde Alte Meister todlangweilig. Am liebsten gehe ich mir zeitgenössische Kunst angucken, die nimmt sich nicht so ernst. Da kann man drüber lachen und dazwischen wird dann doch eine überraschend tiefgründige Note angeschlagen. Ähnliches gefällt mir auch bei Lyrik und da ist Jandl natürlich der perfekte Schriftsteller dafür. Zwischen Gedichten die einfach mit Wörtern herumspielen und dabei zwischen Deutsch und Englisch keine klare Grenzen ziehen und Klassikern wie schtzngrmm verstecken sich aber auch ein kurzes absurdes Theaterstück (muss ich unbedingt mal mit einer Klasse behandeln), ein kurzer Prosatext und eine Rede auf Friederike Mayröcker.
Zwei Texte die hängen geblieben sind möchte ich mit euch teilen.
klos
klos, sein da wo klos?
du gehen rund den knödel
du dann finden den türen
sein drauf stehn >männeken<
du dort treten innen
du dort finden den rinnen
du machen auf den hos.
du wissen was dann tun?
ja ich wissen was dann tun.
so ich gehen rund den knödel
ich dann finden den türen
sein drauf stehn >männeken<
ich dort treten innen
ich dort finden den rinnen
ich machen auf den hos
ich nix finden darinnen.
rasch ich zumachen den hos
rasch ich treten außen
finden den türen neben
sein drauf stehn >fraunen<
sein ich erstaunen
daß in mein leben das
ich haben können vergessen
Ungefähr in diesem Sprachstil ist übrigens auch das Teaterstück, gewöhnungsbeürftig, aber nach einer Zeit sehr stimmig.
Der zweite Text war einer der letzten im Buch, sehr passend positioniert im Buch.
das schöne bild
spar aus dem schönen bild den menschen aus
damit die tränen du, die jeder mensch verlangt
aussparen kannst; spar jede spur von menschen aus:
kein weg erinnere an festen gang, kein feld an brot
kein wald an haus und schrank, kein stein an wand
kein quell an trank, kein teich kein see kein meer
an schwimmer, boote, ruder, segel, seefahrt
kein fels an kletternde, kein wölkchen
an gegen wetter kämpfende, kein himmelsstück
an aufblick, flugzeug, raumschiff – nichts
erinnere an etwas; außer weiß an weiß
schwarz an schwarz, rot an rot, gerade an gerade
rund an rund;
so wird meine seele gesund.
Was kann man da noch sagen?
Sarah L.
Buch 28 von 41
P.S.: Der Philosoph zieht seine Schlüsse; der Poet muß die seinen entstehen lassen. -- Marie von Ebner-Eschenbach
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