1844 veröffentlichte Adabert Stifter erstmals seine Erzählung Brigitta. Das Werk ist daher defintiv 100 Jahre älter als ich, hier habe ich also gar nicht schummeln müssen. Allerdings habe ich das Werk nicht gelesen, sondern mir als Hörbuch zu Gemüte geführt.
Ich habe auf der Germanistik vor langer Zeit mal ein Proseminar zu Adalbert Stifter besucht, nicht, weil ich an dem Autor sonderlich interessiert gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Aber mein Lieblingsprofessor der Germanistik hat es gehalten und es war nicht überlaufen, daher habe ich beschlossen mich mit dem österreichischen Schriftsteller doch mal auseinanderzusetzen.
Damals habe ich meine Semonararbeit über Kalkstein geschrieben, eine Erzählung aus der Sammlung Bunte Steine. Durch die Beschäftigung mit dem Text habe ich Stifter sehr schätzen gelernt, auch wenn ich mir nach wie vor nicht vorstellen könnte, einen ganzen Roman von ihm zu lesen. Seine Erzählungen haben es mir aber immer angetan.
Um also für die Challenge noch ein paar Bücher abzuhaken, habe ich recherchiert welche Hörbücher denn die Onleihe so zur Verfügung stelle. Ich hätte mir gerne etwas von Arthur Schnitzler angehört (Leutnant Gustl kann ich als Hörbuch sehr empfehlen!), aber seine bekannten und daher vorhandenen Texte sind alle ein kleines bisschen zu jung für diese Kategorie. Von Marie von Ebner-Eschenbach gab es leider keine Hörbucher zu mit unbekannten Texten. (Ich habe ja für die Diplomprüfung im Sommer 2015 einiges von ihr gelesen.) Mit Stifter wurd ich fündig, Brigitta kannte ich tatsächlich noch nicht.
Ich glaube, Stifter ist ein Autor, den man sich wirklich akustisch geben sollte. Seine Texte werden durch eine sehr bedachte Sprache ausgezeichnet, die auf dem Papier die Gedanken oft ein bisschen abschweifen lassen, beim Hören aber ihre Wirkung gut entfalten können. Die Edition, die ich gehort habe (Klassiker Hörbibliothek, Gold-Edition, eine Sammlung von verschiedenen Texten), wurde zu meiner Überraschung von einer Frau gelesen, obwohl der namenlose Ich-Erzähler ein Mann ist. Regina Reinhards Stimme hat mir aber außerordentlich zugesagt - tief und etwas rau.Typisch Stifter beginnt die eigentliche Handlung erst etwa ab der Hälfte des Textes, davor wird viel beschrieben und die Stimmung vorbereitet. Actionreich ist Stifter ja bekanntlich nie, das sollte man auf jeden Fall bedenken, wenn man sich seiner Texte annimmt. Trotzdem hat mir die Geschichte zugesagt. Akustisch in seine ausschweifenden Erklärungen der Landwirtschaft und Philosophie der Hauptfiiguren abzutauchen hat echt etwas. Wer sich also mal auf etwas Ungewöhnliches einlassen möchte: Stifter lesen oder hören! Mich hat es jedenfalls nicht gereut.
Sarah L.
Buch 23 von 41
P.S.: Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche entfalten sich die Seelen. -- Marie von Ebner-Eschenbach
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