Sonntag, 3. Juli 2016

Vaterland – Robert Harris (a book recommended by someone you just met)

So, endlich nach langer, langer Zeit auch mal ein Beitrag von mir. Ich hab jetzt endlich die Lust, Liebe, Zeit, Muße und Ruhe hier auch mal was zu schreiben. Deswegen fällt der erste Beitrag auch gleich mal ordentlich lang aus. Ich bin zu motiviert ^-^


Das erste Buch, das ich 2016 gelesen habe bzw. fertig gelesen habe. Worum geht es in dem Buch? Im Großen und Ganzen ist es ein klassischer Thriller. Ein Polizist muss einen Mord untersuchen und findet schnell heraus, dass hinter dem vermeintlich „einfachen“ Mord mehr steckt, als er sich hätte je träumen lassen. Spannend macht dieses Buch das Setting. Es spielt im Deutschland der 1960er Jahre, einem Deutschland, in dem Hitler den Krieg gewonnen hat. In dieser Alternativen Welt hat Hitler den Krieg nie verloren und sich auch nicht umgebracht. Die Deutschen haben den Krieg gewonnen und den größten Teil von Russland eingenommen. Trotzdem sind die Kampfhandlungen noch nicht vorbei, denn einige Russen leisten noch immer in Guerillakämpfen erbitterten Widerstand. Ein großer Teil Europas ist nun unter der Kontrolle der Nazis und gehört zum Reich, der restliche Teil ist irgendwie mit Deutschland verbündet oder von ihm abhängig. Deutsch hat Englisch als überregionale Sprache abgelöst. Die USA haben sich nie in den Krieg eingemischt, aber lange keine diplomatischen Kontakte mit Deutschland gepflegt. Die Propaganda-Maschinerie der Nationalsozialisten läuft auf Hochtouren. Alle Menschen sind in Organisationen eingebunden, der Bund deutscher Mädl, die Hitler Jugend etc. Wie in autoritären Regimen üblich gilt, wer beruflich aufsteigen will, muss zur Partei gehören. In dem Versuch alle anderen zu übertrumpfen hat die Partei Berlin mit Triumphbögen und Siegeshallen nur so zugepflastert, so kommt es einem beim Lesen zumindest vor. Ausländische Touristen gibt es viele, ausländische Journalisten nicht und wenn es sie gibt, dann werden sie kontrolliert und beschränkt. Die Polizei ist in die SS integriert und auch wieder streng aufgeteilt, es herrscht ein regelrechter Uniform-Wahn. Was mit den Juden passiert ist, weiß niemand und niemand fragt danach. Sie waren einfach irgendwann nicht mehr da. Abweichler vom System werden verfolgt und ins KZ geschickt.

Die Handlung:
Xaver März, ein Inspektor des Berliner Morddezernats, als Rang ein SS-Strumbannführer obwohl nicht in der Partei, wird zu einem Mordfall gerufen. Eine Leiche schwimmt im Wasser. März findet schnell heraus, dass etwas faul ist an der Leiche und den Geschichten, die er zu hören bekommt. Er ermittelt daher weiter, teils gegen die Anweisungen des Regimes. Und schnell wird klar, dass er gegen das Regime ermitteln muss, spätestens dann, als er herausfindet, dass mit diesem Mord noch weitere Morde zusammenhängen und er mit einer jungen amerikanischen Journalistin zusammenarbeitet.

Das Buch ist rein aus der Er-Perspektive geschrieben und folgt Xaver März. Was sonst noch so passiert, erfährt man erst, wenn er es erfährt. Das macht alles natürlich umso spannender und man bekommt einen etwas kritischen Blick auf die Situation in Deutschland und speziell der Polizei. Denn, wie sollte es auch anders sein, der Protagonist ist skeptisch gegenüber dem Regime. Ihm missfällt diese ganze Ordnung, das zwangsweise Mitglied-sein in Parteivereinen etc. Und vor allem ist er neugierig. Er will eigentlich wissen, was mit den Juden geschehen ist, weiß aber auch, dass man nicht danach fragt. Das wirkt zwar ein bisschen aufgesetzt, aber vielleicht besser als ein Protagonist, der zuerst Feuer und Flamme für das System ist und dann „erwacht“.
Auf jeden Fall bleibt das Buch bis zum Schluss sehr spannend, man ist sich selbst nicht sicher, was das Geheimnis hinter alle den Morden ist, auch wenn es sonnenklar erscheint, als man es herausfindet. Nur das Ende scheint mir etwas unbefriedigend, da man nicht die ganze Geschichte erfährt, sondern eben nur den Teil, den auch der Protagonist erfährt. Und dann ist das Buch aus und man würde gern mehr erfahren, tut es aber nicht. Aber das Buch folgt dadurch wenigstens der Erzählperspektive bis zum Schluss. Und man kann seine eigene Phantasie benutzen und sich vorstellen, wie es weitergehen würde.

Trotzdem: Ein wirklich sehr gutes Buch. Vor allem ist es gut recherchiert und die Darstellung eines siegreichen Nazi-Deutschlandes sehr realistisch und glaubhaft geschildert.

Andi

1 Kommentar:

  1. Das Setting klingt wirklich sehr interessant! Das wäre mal wieder ganz was anderes.. mal schauen, vielleicht lese ich es mal bei gelegenheit ;)

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