Samstag, 16. Januar 2016

Wenn ein Buch Emotionen weckt, ist es gut, egal wie trashig es ist: Beastly

Autorin: Alex Flinn



Normalerweise nehme ich immer das Cover der Ausgabe, die ich selbst gelesen habe. Aber hier muss ich eine Ausnahme machen. Ich hab leider nur eine Ausgabe mit Filmcover in der Bibliothek gefunden, aber ich muss mich allein bei dem einen Bild schon über den Film ärgern. Aber spulen wir ein bisschen zurück.

Ich mag Märchen, zumindest die mit einem Happy Ending. Ich finde auch die Idee cool, sie in die Gegenwart zu versetzen, aber ich bin auch skeptisch, weil ich denke, dass da oft oberflächlicher Schmarrn rauskommt. Ich habe den Film, der an dieses Buch angelehnt ist, schon vor ein paar Jahren gesehen und war wenig beeindruckt. Ich kann mich kaum noch an Details erinnern, ich weiß nur noch, dass mich die Verwandlungsszene am Ende angepisst hat. (Ich schreibe jetzt nicht "Spoiler Alert", weil die Handlung kann ich wirklich als bekannt voraussetzen.) Außerdem fand ich, dass der Typ zwar gut hergerichtet, aber eben kein Biest oder Monster war. Aber ich dachte mir, dass hinter einem schlechten Film ein gutes Buch stecken kann, da gibts ja zahlreiche Beispiele.

Tatsächlich hat mir das Buch gut gefallen, was sich alleine schon daran zeigt, dass ich es gestern ausgeborgt und heute bereits fertig gelesen habe. (Zugegeben, trotz der 300 Seiten liest es sich schnell.) Es hat ich überrascht, wie sehr mich das Buch fesseln konnte, obwohl ich genau wusste, wie es ausgehen würde. Es war sprachlich nicht super anspruchsvoll und ich hätte ohne die kleinen Chats dazwischen leben können, die meiner Meinung nach die Illusion der Story empfindlich stören, aber sie waren Gott sei Dank nur sehr spärlich eingestreut. Was mich aber besonders dazu bewegt, dieses Buch zu empfehlen, ist, dass es mich zum Heulen gebracht hat. Offensichtlich war ich also in das Schicksal der Figuren so investiert, sonst hätte ich wohl kaum feuchte Augen bekommen. (Weinen, wenn man liest, ist übrigens viel beschissener als beim Fernsehen. Dort muss man nämlich nicht scharf sehen können, um weiterzumachen.)

Jetzt doch noch: Spoilers!

Nun zum Film. Wow. Da haben sie aber wirklich Einiges versaut. 1. Das Offensichtliche zuerst: Im Buch wird er wirklich zu einem Biest mit Fell und Klauen! Im Film hat er eine Glatze, ein paar Narben und Tatoos. Buhu. 2. Obwohl ich Neil Patrick Harris wirklich mag, muss ich außerdem anmerken, dass er als blinder Lehrer wirklich fehlbesetzt war. 3. Das Buch ist sehr ähnlich der Disney-Verfilmung, nur dass der Vater von Lindy ein Junkie ist, der beim Biest (Adrian) einbricht und seine Tochter anbietet, sollte Adrian auf eine Anzeige verzichten. Dadurch hat man auch im Buch die Spannung, dass Adrian erst mal Lindys Grundabneigung gegen ihn überwinden muss. Im Film rettet er ihr das Leben und bringt sie bei sich unter. 4. Ich kann mich im Film nicht an den magischen Spiegel erinnern. Der hat im Buch eine wichtige Rolle (und ist einfach ein cooler Gegenstand). Allerdings: Die Verwandlungsszene ist dem Buch sehr ähnlich und beide Varianten haben mich geärgert. Nimmt den ganzen Emotionsbogen aus der Geschichte. Hätte sich Alex Flinn doch was von Disney abschauen sollen.

Das Buch war gute Unterhaltung, auch wenn ich sicher bin, dass man aus der Idee noch ein bissi mehr hätte rausholen können. Vom Film würde ich aber eher abraten.

Sarah L.
Buch 6 von 41

P.S.: Der Weltmann kennt gewöhnlich die Menschen, aber nicht den Menschen. Beim Dichter ist es umgekehrt. - Marie von Ebner-Eschenbach

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