Autorin: Elisabeth Zöllner
Die vierten Klassen meiner Schule lesen jetzt nacheinander das Buch "Anton oder Die Zeit des unwerten Lebens". Ich habe mir vom Klassensatz ein Exemplar abgezweigt, damit ich es mir auch zu Gemüte führen kann. Das Buch ist also nicht aus der Städtischen Bücherei, aber da ich diese so oder so regelmäßig besuche, fühlt sich dieser Eintrag nicht einmal besonders geschummelt an.

Das Buch handelt von einem kleinen Jungen, der nach einem Unfall mit Behinderung im Nationalsozialismus leben muss. Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen. Es gibt sicherlich viele Romane, die man zum Nationalsozialimus in der vierten Klasse lesen könnte, aber ich verstehe, warum gerade dieser Titel an meiner Schule so beliebt ist: 1. Die Geschichte beruht auch einer wahren Begebenheit, Anton war der Onkel der Autorin. 2. Es ist erfrischend, auch einmal andere bedrohte Personengruppen ins Zentrum zu stellen als die Juden. Das klingt jetzt böse, ist aber gar nicht so gemeint. Sicherlich kann man emotional ansprechen, wenn man über die furchtbaren Dinge schreibt, die mit Juden in dieser Zeit passiert sind. Aber auch "arische" Familien mussten leiden, und es ist ganz spannend zu sehen, wie Menschen im Krieg ihren Alltag bestritten und ich denke gerade für junge LeserInnen spannend, etwa wenn es um Essensmarken und Nächte im Luftschutzbunker geht. Der Holocaust wird in diesem Buch natürlich nicht ausgeblendet, auch dieses Thema wird immer wieder aufgenommen.
Ich fand es in jedem Fall sehr lesenswert, auch wenn es mancchmal schwer ist das zu lesen, was da passiert. In einer der vierten Klasse kam folgende Unterscheidung auf: Man muss ein Buch nicht mögen, um es zu schätzen. Und genauso ein Buch ist "Anton". Es hat mich sehr berührt und ich schätze es ungemein - aber von "gefallen" kann man hier wohl eher nicht sprechen.
Sarah L.
Buch 10 von 41
P.S.: Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden. -- Marie von Ebner-Eschenbach
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